Eier- und Nestersammlung - der Anfang einer Lehrschau

Hugo Vollmer. Der alte Streit, ob das Huhn oder das Ei am Anfang stand, ist bis heute nicht geklärt, aber mit Sicherheit steht das Ei am Anfang eines jeden Vogellebens.
Ein Kompaktpaket stellt das Ei dar, vollgestopft mit Informationen, mit genauen Bauplänen für ein neues Lebewesen, das sich einmal im harten Überlebenskampf mit der Umwelt, mit seinen Feinden und unter Umständen auch mit den Artgenossen auseinandersetzen muß.

Das Kompaktpaket Ei besteht aus drei Bestandteilen: Schale, Eiweiß und Dotter. Auf dem Fett- und eiweißreichen Dotter ist die Keimscheibe, also der beginnende Vogelembryo aufgelegt. Das Eiweiß ist weniger nahrhaft, enthält aber das lebenswichtige Wasser. Trotz einer Ei-Innenhaut ist die Schale recht porös und für das Gasaustausch geeignet. In vielen Eiern, meist am stumpfen Pol, wird zusätzlich noch ein Luftsack eingebaut, aus dem das Küken vor dem Schlupf atmet. Die nötigen Kalksalze zum Knochenaufbau während der Entwicklung werden der Schale entnommen, wodurch diese zunehmend leichter wird und letztlich das Schlüpfen erleichtert. Meist wird ein Teil des Dottersacks vom Küken, wenn es sich mit dem Eizahn aus der Schale gearbeitet hat, eingesogen und dient in den ersten Stunden als Nahrungsvorrat bis zur ersten Fütterung durch die Eltern.

Farbe und Form der Eier und auch die Größe sind funktionell der Art angepaßt - haben unsere Singvögel, sofern sie in offenen oder halboffenen Nestern brüten, mehr oder minder Tarnfarben, so sind die weniger gefährdeten Eier der Höhlenbrüter meist weiß. Die Eier der Nestflüchter wiederum sind oft recht groß, weil die Küken nach dem Schlupf bereits schwimmen oder laufen können und dementsprechend körperlich ausgebildet sein müssen. Nesthocker, die noch lange von den Eltern versorgt werden, schlüpfen in der Regel aus kleineren Eiern.

Unsere Eiersammlung hat sich seit 1982 ständig vergrößert. Etwa 90 Prozent der Eier stammen von Tieren, die unsere Mitglieder pflegen, einige wurden durch Tausch von anderen Vogelfreunden erworben. Ein Straußenei wurde von der Wilhelma gekauft. Zur Zeit werden etwa 200 verschiedene Eier in sechs Schaukästen aufbewahrt und können bei der Vogelausstellung bewundert werden.
Bevor ein Ei ausgestellt werden kann, muß es ausgeblasen, die Ei-Innenhaut entfernt und durch Einlegen über zwei Tage in säurefreiem Silikonöl vor dem Zerfall geschützt werden. In regelmäßigen Abständen empfiehlt es sich, die Eier einzuölen.
Einen kleinen Querschnitt soll unsere Nestersammlung zeigen. Neben kunstvollen "Bauten", wie z. B. den Nestern der Webervögel, sind verhältnismäßig "schlampige" zu sehen, die aus zusammengetragenen, unregelmäßig verarbeiteten Stöckchen und Hälmchen bestehen - so, wie es jede Vogelart für die erfolgreiche Aufzucht ihrer Nachkommen braucht, in jedem Fall eine sinnvolle und zweckdienliche Kinderstube.


Letzte Aktualisierung

18.05.2012 um 06:10 Uhr.